Andreas Pritzker - Presse - munda

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Andreas Pritzker - Presse

Pritzker

"Unscheinbar"

Eine unscheinbare Geschichte geht unter die Haut
Ein Roman ist eine Zumutung. Weshalb soll ich mir als Leser die erfundene Geschichte eines Autors antun? Dann fällt einem ein Roman zu. Pflicht- oder Ehrensache, dass man ihn liest. Und dann schafft just dieser Roman es, in dein eigenes Denken einzudringen und es anzuregen. Auf listige Weise jubelt der Autor einem ein Thema runter, zu dem man süffisant sagt, na ja. Der Umgang mit den Gewohnheiten eines Alltags mit seinen eingeschliffenen, wie von selbst laufenden Ritualen. Ohne dass man es will, nistet sich eine Art Virus in dein Denken ein und du hinterfragst bewusst / unbewusst deine eigenen Gewohnheiten und denkst trotzig, was Nora, die Protagonistin des Romans, kann, das kann ich auch! Und erst noch besser. Und dann trinkst du plötzlich zum Frühstück anstatt des Grüntees einen Espresso. Dies bloss der erste Schritt.

Wenn ein Roman es schafft, dass ein Funke überspringt und beim Leser ein Feuer entfacht, auf das er reagieren muss, dann ist das Erzähler dieser Roman-Geschichte klar gelungen.

Vor Jahren war ich über Peter Sloterdijks Essay „Du musst dein Leben ändern“, der diesen Titel einem Rilke Sonett, „Archaischer Torso Apollos“, abgekupfert hatte, auf den Gedanken des Ausbrechens aus den Gewohnheiten gestossen. Hatte rein vernunftsmässig die Angelegenheit bedacht und dann ad actas gelegt. Ganz anders beim Roman „Unscheinbar“, der nicht eine Theorie abhandelt, aber eine Geschichte erzählt, in der eine Theorie enthalten ist, die über praktische Vorgänge in den Kopf des Lesers, der Leserin sickert.

Die erfundene Geschichte von „Unscheinbar“, die schleichende Rebellion der Nora gegen das Grau in Grau ihres Alltags, das sie zur grauen Maus gemacht hat, ist unterhaltsam zu lesen, in perfektem Spannungsbogen erzählt. Das Thema, auf das die Geschichte sich fokussiert, ist packend und geht unter die Haut. Ein Leseerlebnis der besonderen Art!

Rainer Bressler am 4 November 2017 bei amazon


"Losfahren"

Unser Leben gleicht der Reise ...
Schnörkellos und nüchtern berichtet die Buchhändlerin in Zürich und Mittvierzigerin Alice (Lissy) Heftmann als Ich-Erzählerin, wie sie wegen des Todes eines Onkels in Milwaukee zu dessen Beerdigung reist. Zwanzig Jahre zuvor hatte sie ein paar Jahre, zuerst bei der Familie ihres Onkels, dann zusammen mit ihrem damaligen, dann verstorbenen Ehemann dort gelebt. Weil es sich so ergibt, verliert sie vor der Abreise an die Beerdigung ihre Stelle in Zürich und bricht mit ihrem derzeitigen Freund. Nach der Beerdigung reist sie auf den Spuren von vor zwanzig Jahren durch die USA, erinnert sich an ihre damalige Ehe und ihre Zeit als Country-Sängerin und kommt zum Schluss dort an, wo es für sie stimmt.
Die Erzählung von Alice kommt so alltäglich und tagebuchmässig daher, dass man sich als Leserin, als Leser ungeduldig fragen mag, wann geschieht endlich etwas?! Genau dies aber ist der Trick des Autors: die Spannung entsteht durch das schier endlose Hinauszögern des erlösenden Ereignisses. Für die Ich-Erzählerin ist die Reise eine Suche nach Freiheit und Identität, sie hüpft hin und her zwischen der tatsächlichen Reise und ihren Erinnerungen. Sie ist unterwegs. Jack Kerouac mit seinem On the road und auch der Film Easy Rider, unter vielen anderen, lassen grüssen. Noch in den USA hatte Alice damals, nach dem Tod ihres amerikanischen Ehemannes, die Musik für die Bücher links liegen lassen und war dann in die Schweiz zurückgekehrt.
Das bedächtige Reisen und Reflektieren sind das Besondere dieses Romans. Pritzker legt denn auch seiner Protagonistin die Worte in den Mund, die präzise einfangen, was den Reiz auch dieses Romans ausmacht: „Lesen ist ja auch nicht ganz einfach. Bücher sind fesselnd dank Auslassungen. Der Leser muss sich vieles vorstellen können, den Text mit Bildern aus seiner eigenen Vorstellungen illustrieren“ (Seite 232).
„Loslassen“ ist ein unaufgeregter Roman der heiteren Gelassenheit, der klaren Worte und streift dabei wichtige Fragen, die sich in einem bewusst geführten Leben stellen. Die Erzählung der tatsächlichen und inneren Reise von Alice durch die USA wird, wie der Autor es sich vorstellt, lebendig durch die Bilder, die sie im Kopf der Leserin, des Lesers hervorzaubert. Kein jugendlicher Sturm und Drang. Ein Strauss von Gedanken als Ernte durchlebter Erfahrungen mit einer Perspektive, die schmunzeln macht.

Rainer Bressler am 21. Mai 2016 bei amazon


"Allenthalben Lug und Trug"

Mit Pritzkers Buch kann man sich ganz gut vorstellen, wie dergleichen Fälle von Writschaftskriminalität gewöhnlich abgehandelt werden. Pritzker braucht keinen Mord, um die Frage nach der Gerechtigkeit zu stellen. Köstlich sind die Stellen, in denen er den ganz 'unschuldigen' Antsiemitismus des akademischen Milieus skizziert, etwa indem der 'Jude' Kremer immer wieder um seine spezielle Meinung zu Israel gefragt wird. Den Höhepunkt in dieser Hinsicht stellt die Aufführung eines Theaterstücks dar, das ein deutscher Schriftsteller aufgrund der Erinnerungen Moses Kremers verfasst hat. So engagiert er in dem Stück gegen die Praktiken der Eidgenössischen Fremdenpolizei im Zweiten Weltkrieg Stellung nimmt, so unangenehm ist dem Schriftsteller die Anwesenheit der Kinder seines Helden bei der Aufführung. Sie könnten noch Forderungen stellen, sie seien doch Juden. (mehr ...)

Konstantin Kaiser in der Zwischenwelt vom Juni 2011


Mit meinen Büchern will ich unterhalten

Jetzt legt er sein neustes Buch vor, den Roman 'Allenthalben Lug und Trug'. ... In dieser Geschichte gibt es zumindest einige Bezugspunkte zur Person des Autors. Ist der Untersuchungsbeamte Kremer also gewissermassen ein Alter Ego des Autors? Andreas Pritzker lächelt und winkt ab. "Meine Figuren sind alle konstruiert", sagt er. "Ich versuche nicht, real existierende Personen zu zeichnen. Die Hauptperson aus meinem Buch 'Die Anfechtungen des Juan Zinniker', beispielsweise, stammt aus reichem Hause und kann sich völlig ihrer Wissenschaft, der Vulkanologie, hingeben. Zudem ist er ein Don Juan. Auch das bin ich nicht." ... "Ich möchte Bücher schreiben, die unterhalten und dabei Gesichtspunkte einbringen, die vielleicht etwas spannend sind. ... Ich habe das Glück, eine reiche Fantasie zu haben, aus der die Ideen und Konzepte zu meinen Büchern fliessen." (mehr ...)

Louis Probst in der Aargauer Zeitung vom 2. Oktober 2010


Lesevergnügen von A(ndreas Pritzker) bis (mit Juan) Z(inniker)

Ein bunter Reigen von Aktionen, Erlebnissen, Erinnerungen und philosophischen Betrachtungen von Juan Zinniker entfaltet sich vor dem geistigen Auge des Lesers. Durch die breite Palette von Themen aus dem menschlichen Leben wird man vom leichtfüssigen Erzählstil mitgetragen.
Die Sterne richten sich nach den Vorlieben der Leser: Fünf Sterne für Liebhaber der durchaus dezenten Schilderungen erotischer Abenteuer. Vier Sterne für all jene, denen dieses Thema etwas zu viel Raum einnimmt.
Dass das Don Juan-Motiv prominent auftritt wird mit dem Vornamen des Protagonisten angedeutet. Alles in allem das "süffigste" Buch das ich in den letzten Jahren gelesen habe!

"Matheliterat" am 2. April 2008 bei amazon


Start zu neuen, faszinierenden Zielen

Die Erzählung 'Eingeholte Zeit' ist die erste Publikation, die im munda-Verlag erschienen ist. ... Nein, autobiografisch ist diese Erzählung bezüglich der Person des Verfassers nicht. ... Sekretär einer Stiftung? Eine solche Stelle hat er nie bekleidet, aber wohl in den verschiedensten Chargen, die er an der ETH und in Foschungsanstalten innehatte, besondere Einblicke erhalten. Aufmerksame Beobachtung und Verarbeitung des Beobachteten, ob bezüglich der Personen oder bezüglich der Materie, mit der sie sich befassen, ist eben doch das A und O für Schreibende. (mehr ... - im Artikel stimmen allerdings die Jahreszahlen nicht, sie sind um 10 Jahre verkürzt)

Lis Frey in der Brugger Zeitung vom 6. Januar 2003


"Das Ende der Täuschung"

Adam Schreiner, Schweizer Physiker, wird vom Swisstek-Konzern in die Vereinigten Staaten von Amerika entsandt, um dort ein Projekt vorzustellen, an dessen Entwicklung er massgeblich beteiligt war. Im Laufe seines Amerika-Aufenthaltes wird dem Wissenschafter einiges immer fragwürdiger: in beruflicher Hinsicht und auch ganz privat. Immer häufiger sieht er sich statt als Direktbeteiligter durch die Kamera des Beobachters: "Er betrachtete·alles klinisch, und sein Herz blieb kalt." Beruflich glaubt er sich an einem Wendepunkt angelangt. ...  Adam Schreiner (aus dieser Perspektive ein interessanter Name!) beginnt sich Gedanken darüber zu machen, wie er seinen Rückzug aus dieser 'Art von Leerlauf' bewerkstelligen könnte. Aber auch ganz privat fühlt er sich an einem Wendepunkt angekommen. Er ist zur Einsicht gelangt, dass sein Leben "trotz Hektik ziemlich eintönig und leer abläuft". - Also in jeder Beziehung 'Das Ende der Täuschung'? - Der Roman lässt vieles in der Schwebe, bleibt mehrdeutig. Zwar lassen ihn die Gutachten der Experten über die Möglichkeiten der Nutzbarmachung von Sonnenstrahlen immer kühler, nervt ihn die Unbedarftheit der amerikanischen Kollegen in zunehmendem Mass, möchte er sein Leben von Grund auf ändern: Aber wird er es auch wirklich tun? (mehr ...)

Bruno Schmid im Badener Tagblatt vom 2. Oktober 1993


Mordgeschichte und Lebensbilanz

Man könnte Andreas Pritzker durchaus grollen: In weit ausschweifender Erzähllust lässt er seinen Fahnder, Arnold Wiederkehr, einen Polizeibericht an die Staatsanwaltschaft schreiben, der nur langsam vorankommt. Fast siebzig Seiten hat der Leser hinter sich gebracht, und da erst stösst er auf ein erregendes Moment, einen Mord natürlich, der sich aber auf einem Nebenschauplatz abspielt. Beinahe droht ihm nun die Geduld auszugehen. ... Die Kommissare und Fahnder vom Schlage eines Häberli oder Wiederkehr - nomen est omen! - verlegen ihre Konzentration vorerst eher auf das Feld der Beobachtung als der schnellen Aktion. Also darf man sich nicht allzu sehr irritiert fühlen, wenn Wiederkehr nun auch noch die Reizwäsche erwähnt, die seine Exgattin zu tragen verweigerte. Denn es entspricht dem Gesetz der Gattung, dass all die Belanglosigkeiten einmal als notwendige Elemente ins Mosaik hineinpassen sollen. 
Man legt schliesslich den Roman 'Filberts Verhängnis' mit der Absicht weg, ihn ein zweites Mal zu lesen, um den raffinierten Verknüpfungen noch genüsslicher auf die Schliche zu kommen. (mehr ...)

Beatrice Eichmann-Leutenegger in der Neuen Zürcher Zeitung vom 3. Oktober 1990

 
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